Ein Teil von mir will zurückschlagen, ein anderer will die Beziehung retten. Teilearbeit macht solche inneren Stimmen sichtbar, damit man mit ihnen arbeiten kann. Die Methode kommt aus dem Coaching und hilft im Konfliktmanagement, in der Führung, in Verhandlungen und bei der Deeskalation.
In einem Konflikt ist man selten nur einer Meinung. Ein Teil ist verletzt und will Recht bekommen. Ein anderer weiß, dass man morgen wieder zusammenarbeiten muss. Und ein dritter würde am liebsten gar nichts sagen. Reden diese Stimmen alle gleichzeitig, reagieren wir impulsiv oder wir blockieren.
Teilearbeit im Konfliktmanagement sortiert dieses Durcheinander. Profis setzen die Methode im Coaching ein, und sie lässt sich gut auf Konflikte im Unternehmen übertragen.
Was Teilearbeit ist
Die Methode geht davon aus, dass unsere Persönlichkeit aus mehreren inneren Anteilen besteht. Jeder davon hat eigene Bedürfnisse, Sorgen und Absichten. Friedemann Schulz von Thun nennt das das Innere Team: Wie in einer Teamsitzung melden sich verschiedene Mitglieder zu Wort, und eine gute innere Führung sorgt dafür, dass am Ende eine Entscheidung steht, hinter der man auch stehen kann.
Ähnlich arbeiten Virginia Satir, die mit ihrer Arbeit an inneren Anteilen die Familientherapie geprägt hat, und Richard Schwartz, dessen Modell der Internal Family Systems heute international verbreitet ist. Sie alle gehen von derselben Annahme aus. Jeder Teil hat eine gute Absicht, auch wenn er im Moment stört.
Im Coaching bekommen die Teile einen Namen, wir hören ihre Anliegen an und klären, wie sie zueinander stehen. Das geht im Gespräch, mit Stühlen im Raum, mit Figuren auf dem Tisch oder auf Papier. Was sich dabei verschiebt, ist der Blickwinkel. Ich bin nicht mein Ärger, ich habe einen Teil, der ärgerlich ist.
Fünf Einsatzfelder im Unternehmen
Nehmen wir zuerst das Konfliktcoaching. Eine Mitarbeiterin fühlt sich von einer Kollegin übergangen. Im Gespräch zeigen sich bald zwei Teile: ein gekränkter, der Genugtuung will, und ein kooperativer, der das Projekt retten möchte. Bekommen beide Gehör, kann sie auf die Kollegin zugehen, ohne Vorwürfe zu machen.
In der Führung sieht es anders aus. Eine Führungskraft muss eine unpopuläre Entscheidung verkünden. Ihr fürsorglicher Teil will das Team schonen, ihr ergebnisorientierter Teil will, dass die Sache klar auf dem Tisch liegt. Mit Teilearbeit findet sie eine Botschaft, in der beide vorkommen: die Entscheidung ohne Wenn und Aber, und trotzdem ein respektvoller Ton.
Bei der Verhandlungsvorbereitung melden sich vor einem wichtigen Preisgespräch oft zwei Gegenspieler. Der ängstliche Teil will schnell nachgeben, der ehrgeizige keinen Millimeter weichen. Kennst du beide, legst du Zielkorridor und Rückzugslinie vorher fest. Im Gespräch treibt dich dann weder die Angst noch der Ehrgeiz.
Und in der Deeskalation? Wird jemand im Kundenkontakt angegriffen, springt oft ein verteidigender Teil an. Hat man ihn im Training schon kennengelernt, merkt man ihn früher und kann bewusst den Teil nach vorne holen, der helfen oder klären will. Das ist der Unterschied zwischen Reflex und Reaktion.
Bleibt die Mediation. Auch die Parteien sind innerlich gespalten. Mediatorinnen und Mediatoren nutzen Teilearbeit, um verdeckte Interessen sichtbar zu machen. Hinter einer harten Position steht dann zum Beispiel ein Teil, der eigentlich Anerkennung sucht.

So gehst du in der Praxis vor
Fang damit an, die Teile zu benennen. Welche Stimmen melden sich, wenn du an den Konflikt denkst? Kurze Namen reichen, etwa der Gekränkte oder die Vorsichtige.
Dann hörst du jedem Teil zu. Was befürchtet er, was will er schützen, welche gute Absicht hat er?
Im dritten Schritt klärst du die Führung. Welcher Teil steht im nächsten Gespräch vorne, welcher darf mitreden, welcher bleibt diesmal im Hintergrund?
Zum Schluss formulierst du deine Botschaft. Sie nimmt die wichtigsten Anliegen auf, ohne dass ein einzelner Teil das Gespräch an sich reißt. Gunther Schmidt beschreibt in seinem hypnosystemischen Ansatz, wie sehr schon diese bewusste Wahl die eigene Handlungsfähigkeit stärkt.
Teilearbeit im Video
Wie das konkret aussieht, zeige ich in einem Video auf YouTube. Es ist ein Ausschnitt aus unserer berufsbegleitenden Mediationsausbildung, in der Teilearbeit fest zum Methodenrepertoire gehört.
Video zur Teilearbeit ansehenTeilearbeit lernen
In der Mediationsausbildung üben die Teilnehmenden Teilearbeit an echten Fällen, unter Supervision und mit viel Zeit, um nachzubesprechen, was dabei passiert ist. So wird die Methode zu einem Werkzeug, das in Mediationen genauso trägt wie im eigenen Führungsalltag.
Zur berufsbegleitenden MediationsausbildungFür Teams und Führungskräfte
Wenn du Teilearbeit im Unternehmen einsetzen willst, etwa damit Führungskräfte und Mitarbeitende besser mit Konflikten umgehen, passt das Konflikttraining. Es läuft über ein bis sechs Monate, und geübt wird an realen Situationen.
Zum Konflikttraining für Mitarbeitende und FührungskräfteQuellen
- 1Schulz von Thun, F., "Miteinander reden 3: Das Innere Team und situationsgerechte Kommunikation", Rowohlt
- 2IFS Institute, "What is Internal Family Systems?" (Richard C. Schwartz)
- 3Satir, V., Banmen, J., Gerber, J., Gomori, M., "The Satir Model: Family Therapy and Beyond", Science and Behavior Books, 1991
- 4Milton-Erickson-Institut Heidelberg, "Hypnosystemischer Ansatz" (Gunther Schmidt)
- 5Mag. Paul H. Schindler, "Teilearbeit", Ausschnitt aus der Mediationsausbildung, YouTube
Unsere Angebote zum Thema
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Konflikttrainings für Mitarbeitende
AAS Dialog Konflikttraining: Konflikte klären und deeskalieren.
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Mediationsausbildung berufsbegleitend & online
BMJ zertifizierte Ausbildung zur eingetragenen Mediatorin und zum Mediator.
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Führungskräfteentwicklung
AAS Dialog Führungskräfteentwicklung: Gesprächsführung in Dialogen und Selbstführung.
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Verhandlungscoaching
1:1 Vorbereitung auf konkrete Verhandlungen und Aufbau von Verhandlungskompetenz.
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